Karsttypen


Karsttypen lassen sich nach verschiedenen Gesichtspunkten unterteilen:
(Teils werden die Begriffe synonym - beziehungsweise nach Region unterschiedlich verwendet.
Und, oder überschneiden sich in ihrer Begrifflichkeit.)

 Exposition (Lage)

Exokarst

(oberirdische Karstformen)

Endokarst

(unterirdisch Karstformen)

        Überdeckung

  offener Karst

nackter Karst
blanker Karst
kahler Karst
oberflächlicher Karst

Das verkarstete Gestein ist nicht von anderen Gesteinen, Boden oder Sedimenten bedeckt und tritt offen zutage.

subkutaner Karst

Mit einer geringe Decke aus Verwitterungsschutt.

 halbbedeckter Karst

Mischform aus offenem Karst und bedecktem Karst.

 bedeckter Karst

Es sind Boden und Vegetation vorhanden. Bzw. es lagern unlösliche Schichten über dem Gestein, die im Laufe der Verkarstung entstanden sind.

 grüner Karst

Karst unter Humus und /oder Sedimenten
mit Vegetation - z.B. Waldkarst

 überdeckter Karst

Das verkarstete Gestein liegt unter einer Schicht nicht verkarstbarem, aber wasserdurchlässigen Gesteins.

 unterirdischer Karst

Die Lösungsformen liegen unter einer, vor der Verkarstung vorhandener, Deckschicht unlöslicher oder nicht gelöster Gesteine.

 Paläokarst

Durch Sedimente überdeckte und eventuell durch spätere geomorhologische Vorgänge teilweise wieder freigelegte Karstformen.

Entstehung

Entwicklung

Alter

Zustand
rezenter Karst Kürzlich vergangene, oder aktuelle Verkarstung.
inaktiver Karst Es findet keine Verkarstung mehr statt.
fossiler Karst
vorzeitlicher Karst
reliktischer Karst
(Eventuell schon teilweise zerfallene) Karstformen aus der erdgeschichtlichen Vergangenheit.
begrabener Karst Mit Sedimenten überdeckter fossiler Karst.
blockierter Karst Die unterirdische Entwässerung wurde teilweise durch Dauerfrost in den Kaltzeiten verhindert, so dass es zu neuen Talbildungen kam, die in den Warmzeiten wieder trocken fielen. [siehe auch Trockentalkarst]
ertrunkener Karst Erhöhung des Karstwasserspiegels durch Anstieg des Niveaus des Vorfluters ( z.B. Meerespiegelanstieg, Behinderung des Abflusses) und / oder geodynamischer Hebungs- und Senkungsprozesse.
Glaziokarst
Alpiner Karst
Rezente Verkarstung ehemals vergletscherter Gebiete der Hochgebirge [vgl. Hochgebirgskarst] oder polarer Gebiete (hier unabhänig der Höhenlage).

Klima-
geomorphologisch

kühlgemäßigten und
gemäßigte Breiten

Merokarst (Halbkarst) - mit nicht voll entwickelte Karstformen

Mediterranes Klima

Mediteraner Karst (Holokarst mit fehlenden Vollformen)
[vgl. Dinarischer Karst
]

tropische, subtropische und teils (warme) gemäßigte Breiten

Holokarst / Vollformenkarst /
volltropischer Karst / Ganzkarst
(voll entwickelte Karstarstlandschaft
mit intensiverer Korrosion)
und
Fluviokarst (Halbkarst mit fluvialen nicht schroffen Formen und eventuell größerer Tälerdichte).

Polare Gebiete

vgl. Glaziokarst / Alpiner Karst

Verkarstete
Gesteine
Metamorphe Gesteine Quarzit Quarzitkarst
(Silikatkarst)[1]
[vgl.
Pseudo-/ Parakarst][2]
Sedimente Quarz-Anteil
oder Bindung
Sandsteinkarst
[vgl.
Pseudo-/ Parakarst][2]
Kalk-Anteil
oder Bindung
Evaporite Karbonatgestein (Karbonat-) Karst
[vgl.
Dinarischer Karst]
Sulfatgesteinen Sulfatkarst: Anhydrit- und Gipskarst
Halogenide Salinarkarst / Salzkarst

Hydrologie Epikarst Nahe der Oberfläche gelegenes, subkutanes
Grundwasserstockwerk der vadosen Zone.
Seichter Karst Die Verkarstungsbasis liegt oberhalb
bzw. auf Höhe des Vorfluterniveaus.
Tiefer Karst Die Verkarstungsbasis liegt tiefer als das Vorfluterniveau.

Formenschatz
bzw. Abwesenheit bestimmter Formen

und

Regionale Typen

(Dinarischer) Karst

Typlokalität - namensgebend für alle Karstlandschaften
echter Karst / Orthokarst
[vgl. im Unterschied hierzu: Pseudokarst[2]]

Polygonaler Karst

Gebiete bei denen die Karsthohlformen (Dolinen) so nah beieinander liegen, dass sie nur noch von schmalen Graten getrennt sind.

Cockpit-Karst
(Typlokalität)
Der Namen leitet sich vom Cockpit Country auf Jamaika ab.

Eng aneinander liegende, tiefe wannenförmige Karsthohlformen mit sternförmigen Grundrissen.
Leicht konkaven Böden und steilen konvex vorgewölbten Flanken. Form des tropischen Karstes.

Boginjavi krš

Cockpit-Karst des Dinarischen Karstes

Dolinenkarst

Hauptsächlich durch Dolinen geprägte Karstlandschaft

Fluviokarst

Karstlandschaften der Oberflächenformen sich durch einschneidende Flüsse geprägt hat -
Täler und Schluchten und zugehörige Karstplateaus.
[Vgl. auch
blockierter Karst und Trockentalkarst

Phantomkarst

Karst fantômique

Ghost-rock karstification

Erstmals beschrieben an Verwitterungsform in den karbonen belgischen Ardennen. Hierbei bleiben die Gesteinstrukturen und dessen Volumen erhalten. Eine isovolumische Lösung, in dem Gestein "in sich". Dabei wird kein vorhandener Hohlraum oder darin frei fließendes Wasser benötigt. Das Wasser migriert in geologischen Zeiten durch den Gesteinskörper

 Hochgebirgskarst

Karsterscheinungen oberhalb der Baumgrenze, die hauptsächlich durch unbewachsene Karren(felder) gekennzeichnet sind. [vgl. Glaziokarst und Alpiner Karst]

Trockentalkarst
der Schwäbischen
und Fränkischen Alb

Periglazial geprägter blockierter Karst.

Karst bareé

Riegelkarst

Ummantelter Karst

Kleinräumige Karstgebiete,
die völlig von unlöslichem Gestein umgeben sind,
bzw. deren Karstwasserströmung eingeschränkt ist.

Pinnacle Karst

Formen der Großkarrenbildung in tropischen Klimaten

Kegelkarst

Kuppen mit dazwischenliegenden tiefen Hohlformen (Cockpits) mit sternförmigem Grundriss. Fortgesetzte Korrosion an der Basis der Kuppen führt zur immer weiteren Versteilung der Flanken.

Kuppenkarst

Frühes Entwicklungsstadium des Kegelkarstes.

Turmkarst

Isolierte stehende, steilwandige Karsttürme. Diese entsteht durch fortgesetzte Korrosion an der Basis der Karstkegel im Kegelkarst.

Pseudokarst

(In Publikationen teilweise als "Nicht durch Lösungsprozesse entstandene Formen" definiert.)[2]
Teile und Einzelformen einer Landschaft die zwar die Merkmale der "echten" Verkarstung aufweisen, obwohl die vorkommenden Gesteine nicht oder nur bedingt löslich sind. Nicht durch Lösungsprozesse entstandene Formen.


(und / oder)


Durch Lösungsprozesse entstandene Formen. (Oft ist jedoch unklar, ob Lösungsvorgänge als Auslöser für den Entstehungsprozess gesehen werden können, oder ob diese nur eine untergeordnete Rolle spielen.)
Quarzitkarst
Höhlen und Formen im Granit
Sandsteinkarst
Formen der
Wollsack- und Schalenverwitterung
Pseudokarstformen die durch Deflation (Windverwirbelungen) und Korrasion (Windschliff) entstanden sind.
Formen die durch Ablagerung und Verdichtung entstanden sind.
Formen durch Kontaktkorrosion
Kluft- und Einsturzhöhlen
Felsdächer ( Abris / Balmen)
Nachfolgender Pseudokarst
(Consequent Pseudokarst [engl.])
durch Verbruch und Formenbildung in künstlicher Hohlräumen wie Bergwerke und Stollen
Parakarst

(In Publikationen teilweise als "Durch Lösungsprozesse entstandene Formen" definiert.)[2]
Brandungshohlkehlen, Brandungshöhlen und Schorren
an Küsten
(Erosion und Kontaktkorrosion)
Formen von / in Blockschutthalden, Blocktrümmerhöhlen
Lavahöhlen
und aus vulkanischen Tuffen entstandene Formen.

Rheogenic Pseudokarst
(Lavaflussformen)
Hydrothermale Formen
Glacialer Pseudokarst
Permafrost Pseudokarst

Thermokarst durch auftauende Dauerfrostböden in den Permafrostregionen.
(REISER 2013 nach www.caves.org, www.uis-speleo.org, www.speleogenesis.info, www.isska.ch, www.wikipedia.de, BÖGLI 1978, HALLIDAY 2007, KEMPE 1982, PFEFFER 2010;
zu Phantomkarst vgl. VDHK 2012/3 und Ghost-rock karst symposium)
1
Quarz wird im anglo-amerikanischen Sprachraum zu den Silikaten gerechnet.

2
Die Abrenzung zum "echten Karst" und auch die Verwendung bzw. Unterscheidung der Begriffe Pseudokarst und Parakarst wird noch diskutiert - die wissenschaftliche Sprachregelung ist hier noch im Gang. Teils weden die Begriffe auch regional sehr unterschiedlich verwendet. Oft werden auch alle Phänomänen die nicht der Karbonatverkarstung entstammen dem Pseudo- oder Parakarst zugeordnet.
Seit 1997 gibt es bei der Union Internationale de Spéléologie (UIS) eine Pseudokarst Commission, die sich mit den Phänomenen des Pseudokarst beschäftigt.

Arbeitsgemeinschaft für Höhlenforschung Bad Cannstatt e.V.
Mitglied im Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher
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